Z Ebingen do Bonn. Kanclerz Kurt Georg Kiesinger i jego droga do władzy

  1. Mariusz Kozerski ORCiD: 0000-0001-6619-5531

Abstract

AUS EBINGEN NACH BONN. DER KANZLER KURT GEORG KIESINGER UND SEIN WEG AN DIE MACHT

In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland gehörte Kurt Georg Kiesinger zu den bekanntesten und prominentesten westdeutschen Politikern. In der Zeit des wiedervereinigten Deutschlands geriet er leider in Vergessenheit, obwohl er als Bundeskanzler in den Jahren 1966–1969 sowie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg (1958–1966), Vorstandsmitglied und der CDU-Vorsitzende oder der Bundestagsabgeordnete wesentlichen Einfluss auf das politische Leben der Bundesrepublik ausübte und eine Rolle bei der Bestimmung der Richtung der einzuführenden Reformen spielte.
Geboren im Jahre 1904 war K.G. Kiesinger nicht nur eine wichtige, sondern auch eine besonders interessante Gestalt des deutschen politischen Lebens. Durch seine Kompromisshaltung und Offenheit gegenüber anderen Anschauungen sowie ein außergewöhnliches Engagement und Intelligenz gewann er Anerkennung auch unter den Vertretern der Oppositionsparteien. Die Einschätzung und Beurteilung Kiesinger waren nicht eindeutig — für viele, insbesondere die junge Generation, war er ein abzuurteilender Politiker mit nationalsozialistischer Vergangenheit.
Ähnlich interessant wie die Gestalt Kiesinger selbst ist sein Weg an die Macht, den er aus einer wittenbergschen Kleinstadt Ebingen nach hauptstädtisches Bonn machte. Kurt Georg, der aus einer nicht vermögenden, Mehrkinderfamilie stammt, verdankt eine solide Ausbildung der eigenen intensiven Arbeit und Selbstdisziplin sowie der fi nanziellen Unterstützung seitens seines Mäzenen — Friedrich Haux. Als junger Mann — Schüler eines Lehrerseminars, Student der Philosophie an der Universität Tübingen oder Mitglied der Studentenkorporation „Askania“ schien er nicht mit der Welt der Politik zusammenzupassen und seine Zukunftspläne waren mit ihr nicht verbunden. Er konzentrierte sich darauf, das Wissen zu vertiefen, er schrieb Gedichte, seine Umwelt kannte ihn als einen sensiblen und nachdenklichen Menschen. Das Jurastudium in Berlin und das Jurapraktikum sollten nach seiner Absicht eine Wende zum Pragmatismus darstellen. Die Sensibilität und Geistigkeit, auf die er nicht verzichtet hat, schufen in Verbindung mit der juristischen Gabe eine recht ungewöhnliche, aber stabile Grundlage eines gewandten Auftritts in der Welt der Politik.
Seine politische Kariere hatte jedoch einen recht unglücklichen Beginn, da er sich in das Machtapparat des Dritten Reiches verstrickte. Bereits im Februar 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. In den Jahren 1940–1945 arbeitete er in der Kulturabteilung Rundfunk des Auswärtigen Amtes. Nach seiner Beförderung im Jahre 1943 zum Stellvertreter des Abteilungsleiters wurde er zum wichtigen Beamten des Regimes. Nach Jahren begründete er seine Mitgliedschaft in der NSDAP und unmittelbar auch seine Arbeit im Ministerium Hitlerdeutschlands damit, dass er die Entwicklung der nationalsozialistischen Diktatur verhindern wollte.
Gutachten und Äußerungen zu seiner Person, gemacht durch seine Bekannten und Mitarbeiter, den Lagerkommandanten in Ludwigsburg (wo er nach Kriegsende 16 Monate interniert war) und die Rechtsprechungskammer, die ein Entnazifi zierungsverfahren in seiner Sache führte, stellten Kiesinger im positiven Licht und befreiten ihn von den Vorwürfen einer aktiven Zusammenarbeit mit dem Regime. Im Beschluss der Rechtsprechungskammer lesen wir, dass er nach seinen Möglichkeiten aktiven und wirksamen Widerstand gegen die Diktatur leistete und als ihr Gegner sein Leben, Vermögen und seine Freiheit aufs Spiel setzte.
Seine Rehabilitation, obwohl nicht für jeden rechte und begründete, erlaubte ihm, politische Kariere in der Bundesrepublik zu beginnen. Seine Talente haben die CDU und die Wähler bemerkt, die ihn seit 1949 regelmäßig bei den Bundestagswahlen unterstützten. Kiesinger als ein CDU-Abgeordneter zeichnete sich bei den Parlamentsarbeiten durch Tüchtigkeit und Engagement aus. Er konzentrierte sich auf die Arbeit in den Kommissionen (war Vorsitzender von zwei: der Schlichtungs- und der Außenkommission). Als vorzüglicher Redner, Häuptling Silberzunge genannt, diente er bei den heftigsten parlamentarischen Debatten als Trumpf des Kanzlers Adenauer.
Obwohl Kiesinger zahlreiche Verdienste für die CDU hatte, wurde er nie Minister. Daher kam also der Entschluss, das Machtbedürfnis nicht in Bonn, sondern als Ministerpräsident von Baden- Wittenberg zu befriedigen. Seine Wahl zum Ministerpräsidenten des Landes war verständlich, da er früher mit allen Kräften um die Gründung eines großen Bundeslandes im Südwesten Deutschlands gekämpft hatte. Kiesinger als Ministerpräsident von Baden-Wittenberg zeigte sich als wirksamer Reformator. Seine Arbeit führte z.B. zur Konsolidierung des Landes, Entwicklung des dortigen Hochschulwesens sowie zum Ausbau des Straßennetzes und der städtischen Infrastruktur.
Auf Kiesinger — eine herausragende Gestalt unter den Ministerpräsidenten der deutschen Länder — ist Bonn nach dem Fiasko der Ludwik Erhard-Regierung wieder aufmerksam geworden. Als ein Schicksalsmann wurde er mit der Mission beauftragt, eine CDU, CSU und SPD Koalitionsregierung zu gründen. An ihrer Spitze stand er letztendlich am 1. Dezember 1966.
Kurt Georg Kiesinger verdeutlichte seine Position in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf besondere Art und Weise. Seine Außergewöhnlichkeit hob er nicht nur durch seine politischen Erfolge hervor, sondern auch dadurch, dass er in der Politik und bei der Lenkung offene Haltung, Einvernehmen und Kompromiss verbreitete.

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Niemcoznawstwo

21, 2013

Pages from 11 to 29

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