SPOŁECZNO-POLITYCZNE DETERMINANTY FUNKCJONOWANIA TURKÓW W RFN

  1. Paweł Sus

Abstract

GESELLSCHAFTLICH-POLITISCHE DETERMINANTEN DER TÜRKENPRÄSENZ IN DER BRD

Der Artikel konzentriert sich auf die Darstellung von Fragen, die mit den Migrationsursachen und gesellschaftlichen Problemen, die sich aus der Präsenz türkischer Migranten in der Bundesrepublik ergeben, zusammenhängen. Er berührt darüber hinaus das Thema der Aktivitäten türkischer gesellschaftlich-politischer und religiöser Organisationen, rechtlicher Staatsbürgerschaftsregelungen, der Migration sowie die Fragen der nationalen Sicherheit. Analysiert werden sowohl türkische Politiker, die im Bundestag sitzen, als auch lokale Vertreter dieser Minderheit.
Die soziokulturelle Identifi kation, die sich unter den deutschen Türken nachweisen lässt, ist ein immanentes Erbe der Tradition des kemalistisch-atatürkischen Staats und der tief verwurzelten islamischen Religion. Es besteht kein Zweifel darüber, dass die türkischen Minderheiten in europäischen Ländern ihr Leben nach den Prinzipien der eigenen Kultur gestalten, die sich von den Wertsystemen und politischen Schwerpunkten in den Gastländern unterscheidet. Die türkisch-islamische Kultursynthese steht ihren Pendants in asiatischen Staaten viel näher als einschlägigen europäischen Verhältnissen, doch man darf auf der anderen Seite nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, dass Europa mit der osmanischen Zivilisation bereits seit Jahrhunderten in Berührung kommt. Noch schwerer wiegt es, dass die Türken die größte nationale Gemeinschaft im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland stellen, was nicht ohne Einfl uss auf die Gestalt der deutschen politischen Wirklichkeit bleibt. Nimmt man die Präsenz der Türken in Deutschland unter die Lupe, so gelangt man zu dem Schluss, dass die kulturelle Integration ein kompliziertes Phänomen ist. Die aus ihm resultierenden gesellschaftlichen und politischen Probleme könnten auf ein vertretbares Minimum reduziert werden, wenn an die Stelle der vollen Identifi kation mit der türkischen Kultur eine teilweise Identifikation mit der europäischen Lebensart treten würde. Ein derartiger Prozess dürfte allerdings relativ viel Zeit in Anspruch nehmen und garantierte seinerseits auch keinen Erfolg. Wenn man bedenkt, dass der Kemalismus und der Islam die kulturelle Identifi kation stärken können, was wiederum eine fortschreitende Isolierung der deutschen Türken in der Bundesrepublik Deutschland zur Folge hat, muss die Hoffnung auf eine schnelle Integration eher im Zaum gehalten werden. Außerdem haben die Terroranschläge vom 11. Oktober 2001 und die Aktivitäten fundamentalistischer islamischer Organisationen in der Welt den antimuslimischen Haltungen in Europa neue Energien zugeführt. Ohne Zweifel wurde davon auch die Einstellung der Deutschen zu ihren türkischen Mitbürgern betroffen. Aus der durchgeführten Untersuchung wird jedoch ersichtlich, dass die Türken oft kein Bedürfnis an Assimilation sowie kultureller und sittlicher Integration in die deutsche Gesellschaft aufweisen, was zum Teil in einen Zusammenhang mit der immer noch vorherrschenden nationalistischen Ideologie des Kemalismus und der tiefen Verwurzelung des Islams in der türkischen Gesellschaft gebracht werden kann. Die in der Fachliteratur als türkisch-islamische Synthese bezeichnete Erscheinung bildet den Kern der türkischen Mentalität in der Heimat, der auch bei der Migration in die Zielländer getragen wird. Selbst das Bild türkischer Wohnviertel in der Bundesrepublik Deutschland veranschaulicht zur Genüge, wie akkurat die türkischen Kulturmuster reproduziert werden. Manche Beobachter der politischen Landschaft in Deutschland sind der Ansicht, dass eine Zusammenführung von solch unterschiedlichen Kulturen wie der türkischen und der weit gefassten europäischen ein Ding der Unmöglichkeit sei. Dies fi ndet seinen Ausdruck in der negativen Einstellung zahlreicher europäischer Länder zur Türkei als EU-Beitrittskandidat. Das Argument von der kulturellen Inkompatibilität wird von den Gegnern der türkischen EU-Mitgliedschaft beim Projekt der Zusammenschweißung der einzelnen politischen Systeme im Rahmen der EU oft ins Feld geführt. Auch die gesellschaftlich-politischen Probleme, die der Präsenz der Türken in europäischen Ländern entspringen, sollen ein Beweis dafür sein, dass die europäische Integration Länder mit demselben oder ähnlichen kulturellen Code zusammenführen sollte. Das Beispiel der deutschen Türken eignet sich sehr gut dafür, das breite Spektrum der gesellschaftlich-politischen Fragen zur Sprache zu bringen, mit denen die muslimischen Minderheiten in Europa konfrontiert werden. Aus diesem Grund scheint eine Untersuchung der Aktivitäten der Türken in Deutschland im Kontext der weiteren Perspektive der künftigen türkischen EU-Integration nicht fehl am Platz zu sein. Dies dürfte wiederum die künftige Politik der europäischen Staaten gegenüber dem Beitrittskandidaten Türkei prognostizieren lassen. Eine Analyse der gesellschaftlich-politischen Determinanten der Präsenz der deutschtürkischen Minorität in der Bundesrepublik Deutschland ist ein unerlässlicher Teil der Antwort auf die Frage, ob beide Kulturen genug Kompatibilität miteinander aufweisen, damit die EU um die kemalistische Türkei erweitert werden kann.
Der Verfasser stellt eine wichtige These auf, die die türkischen Kulturmuster, die sich von den europäischen Systemen unterscheiden, identifi zieren helfen soll. Sie lautet: „Die gemäßigte Korrelation zwischen dem Islam und dem Kemalismus stellt das Haupthindernis auf dem Weg zur Integration von zwei so unterschiedlichen politischen Kulturen wie der den Deutschen zugeschriebenen westeuropäischen und der in der türkischen Mentalität verankerten euroasiatischen dar.“ Obwohl die beiden Doktrinen (Islam vs. Kemalismus) eigentlich einander aufheben sollten, so begegnet man beim Großteil der Deutschtürken einer religiösen und nationalen Identifi kation, die in der Fachliteratur unter dem Begriff türkisch-islamische Synthese fi rmiert. Daher sollte die oben formulierte Annahme als Ausgangspunkt für die Erforschung der Faktoren benutzt werden, die auf die Präsenz der Türken in der Bundesrepublik Deutschland Einfl uss nimmt. Aus dem Bericht „Ungenutzte Potenziale: Zur Lage der Integration in Deutschland“, den das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009 vorgelegt hat, erhellt, dass eben die türkische Minderheit den niedrigsten Grad der Integration in die deutsche Gesellschaft erkennen lässt. Der erwähnte Bericht bestätigt die vom Verfasser im Artikel aufgestellte These.
Der Beitrag verdankt seine Entstehung einer Recherche in der Universitätsbibliothek Breslau und der Technischen Universität des Nahen Ostens (Orta Dođu Teknik Üniversitesi ODTÜ) in Ankara, Türkei. Bei der Vorbereitung des vorliegenden Artikels hat der Verfasser deutsch-, englischund polnischsprachige Quellen herangezogen.

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Niemcoznawstwo

17, 2009

Pages from 197 to 220

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