POWSTANIE DWÓCH PAŃSTW NIEMIECKICH W ŚWIETLE „TRYBUNY LUDU”

  1. Mariusz Kozerski ORCiD: 0000-0001-6619-5531

Abstract

ENTSTEHUNG ZWEIER DEUTSCHER STAATEN IM LICHTE DER BERICHTERSTATTUNG DER TAGESZEITUNG „TRYBUNA LUDU“

„Trybuna Ludu“, Presseorgan des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), war infolge der Zusammenlegung der Zeitung der Polnischen Arbeiterpartei „Głos Ludu“ und des Blattes der Polnischen Sozialistischen Partei „Robotnik“ entstanden. Die Tageszeitung erschien 41 Jahre lang (16.12.1948-27/28.01.1990).
Eines der zwischen Mai und Oktober 1949 behandelten Hauptthemen war der Prozess der Spaltung Deutschlands in zwei separate deutsche Staaten und die Wahl neuer staatlicher Entscheidungsgremien.
Im Mai 1949 sorgte die Verabschiedung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland durch den Parlamentarischen Rat für heftige Kommentare. Besonders unterstrichen wurde in der Berichterstattung, dass die Annahme des Grundgesetzes bei 12 Gegenstimmen (von insgesamt 65) erfolgt sei und man das Postulat vorgelegt habe, über dieses Dokument auf dem Weg einer Volksentscheidung abzustimmen. Die Tageszeitung wies darüber hinaus darauf hin, dass das Grundgesetz von einem undemokratischen Gremium, das sich aus Agenten westlicher Besatzungsmächte zusammensetzte, vorbereitet worden sei.
Die nächste Frage, die die Aufmerksamkeit von „Trybuna Ludu“ damals fesselte, war die für den 14.08.1949 bestimmte erste Bundestagswahl. In die Schusslinie der Journalisten war zunächst die Wahlkampagne geraten. Die Zeitung druckte umfangreiche Ausschnitte aus einem im sowjetischen Blatt „Trud“ veröffentlichten Kommentar ab, in dem die Sprache auf die Tatsache gebracht wurde, dass die Bundestagswahl die Teilung Deutschlands besiegle und die westlichen Besatzungszonen in ein Reservat des deutschen Militarismus verwandle. Der bundesdeutschen Seite wurde außerdem vorgeworfen, ein Parteiensystem ins Leben zu rufen, dass die Vorherrschaft von zwei großen Parteien vorsähe: CDU und SPD. Als Hauptziel dieser politischen Gruppierungen identifizierte man die Wiedergeburt eines aggressiven Deutschland unter der Schirmherrschaft der Westalliierten.
„Trybuna Ludu“ stimmte mit dieser Ansicht überein und formulierte neue Vorwürfe im Zusammenhang mit der Wahlkampagne. Am 16. und 17. August 1949 publizierte man Texte, in denen der undemokratische Charakter der Wahl betont und über die Verfolgung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) (z. B. Wahlblätterbeschlagnahme) und sogar Gewaltanwendung gegen ihre Mitglieder und Anhänger berichtet wurde.
Nach der Bundestagswahl verlagerte sich der Berichterstattungsschwerpunkt auf die Fragen der Bildung der ersten Bundesregierung. Schon in den ersten einschlägigen Texten brachte man die Überzeugung zum Ausdruck, dass das neue Kabinett aus den Vertretern der CDU, FDP und kleinen Rechtsparteien bestehen und mit dessen Leitung Konrad Adenauer betraut würde. Die Tageszeitung sprach der Bundesregierung jegliches Recht darauf ab, das ganze deutsche Volk zu repräsentieren. Sie informierte ihre Leser gleichzeitig über angebliche Pläne der Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland und die Entstehung einer mächtigen Industrielobby, die den Wiederaufbau der Stahlindustrie fordere, um eine Wiederbewaffnung der BRD zu ermöglichen.
Die sowjetische Besatzungszone war im Zeitabschnitt vom Mai bis Oktober 1949 ebenfalls Schauplatz politisch bahnbrechender und folgenschwerer Entwicklungen. Die Situation in Ostdeutschland schilderte „Trybuna Ludu“ voller Enthusiasmus und Bewunderung für die sich dort vollziehenden Veränderungen. Die einzelnen Entscheidungen – Verabschiedung des Verfassungsentwurfs durch den Dritten Deutschen Volkskongress am 30. Mai 1949, Ablösung des Volkskongresses durch die Nationale Front des demokratischen Deutschland, die Verabschiedung der Verfassung durch den Deutschen Volksrat und die endgültige Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 – fanden in der Zeitung breite Unterstützung und unkritische Anerkennung.
„Trybuna Ludu“ bemühte sich gleichzeitig darum, ihren Lesern das Bild einer allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz für die im Osten Deutschlands forcierten sozialpolitischen Umwälzungen zu vermitteln. Sie berichtete u. a. über Hunderte von auf Arbeiter-, Beamten- und Bauernversammlungen angenommenen Resolutionen, die dem Präsidium des Deutschen Volksrates zugestellt worden seien und in denen die Bildung einer DDR-Regierung gefordert worden sei. Die Zeitung schilderte auch die allgemeine Freude der ostdeutschen Bürger über die Wahl von Wilhelm Pieck zum ersten Präsidenten der DDR durch die Volksversammlung und über die Übertragung der von der sowjetischen Militäradministration verwalteten Oberhoheitsrechte auf die ostdeutschen Entscheidungsgremien.
Mit besonderer Anerkennung äußerte sich „Trybuna Ludu“ über die Deklaration der staatlichen und parteilichen DDR-Machthaber, in der die Oder-Neiße-Grenze als Friedens- und Freundschaftsgrenze zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk bezeichnet wurde. In den ersten Kommentaren nach 7. Oktober 1949 machte „Trybuna Ludu“ gleichermaßen auf gewichtige Ziele und Aufgaben, die sich die DDR-Regierung gesetzt habe: Kampf für die Wiedervereinigung Deutschlands, Streben nach der Aufl ösung der BRD, Vorbereitung eines gerechten Friedensvertrags sowie Demokratisierung und Demilitarisierung.
Die Untersuchung des zusammengetragenen Pressematerials verleitet zur Ziehung von einigen wichtigen Schlussfolgerungen. Die Berichterstattung von „Trybuna Ludu“ lässt in Bezug auf den analysierten Themenkomplex journalistische Objektivität vermissen und muss sich den Vorwurf einer deutlichen Parteilichkeit gefallen lassen. Die Propagandasprache der Zeitung stellte sich in den Dienst der Vertiefung und Intensivierung der feindlichen Gefühle gegenüber der BRD und der Festigung der These über die stets vorhandene Bedrohung seitens des westdeutschen Staates. Dies hatte eine interne Konsolidierung des polnischen Volkes im Angesicht einer Gefahr von außen zu bewirken und die polnischen Kommunisten als die einzige politische Kraft darzustellen, die imstande sei, mit Hilfe der Sowjetunion allen Bedrohungen die Stirn zu bieten und Polen Sicherheit zu garantieren.
Den Entwicklungen im Osten Deutschland wiederum blieben negative Urteile erspart. „Trybuna Ludu“ prägte ein positives Bild der DDR, was nicht nur aus der Notwendigkeit resultierte, sich der „sowjetischen Linie“ anzupassen oder die ideologische Harmonie zwischen der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zu akzentuieren. Die der DDR gewährte Unterstützung verknüpften die polnischen Kommunisten u. a. mit der Chance, die territoriale Integrität Polens zu sichern. Das Bestehen der DDR und ihre internationale Anerkennung bedeuteten den Gewinn eines Bündnispartners jenseits der Westgrenze, die Teilung und Schwächung Deutschlands sowie eine geografi sche Entfernung Polens von der seine Grenzen nicht anerkennen wollenden BRD.
Eine Analyse einschlägiger „Trybuna Ludu“-Veröffentlichungen im Abschnitt vom Mai bis zum Oktober 1949 verdeutlicht die Umstände, unter denen die zwei deutschen Staaten die internationale Bühne betreten haben, liefert eine Antwort auf die Frage nach der Einstellung der Polen zu den Deutschen in den ersten Nachkriegsjahren und lässt polnische Reaktionen auf die politischen Prozesse jenseits der Oder und der Neiße studieren. Die Meinungen, die auf den vergilbten Seiten der Tageszeitung „Trybuna Ludu“ nachgelesen werden können, sind ohne Zweifel Zeitzeugen einer kaltkriegerischen Konfrontation, die den deutsch-polnischen Beziehungen für lange Jahre Gestalt gegeben hat.

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Niemcoznawstwo

17, 2009

Pages from 239 to 256

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